Drei Werke in einer spannungsvollen Dreiecksbeziehung: Krankheit als Zäsur, Kunst als Überlebensstrategie und die Frage nach künstlerischer Identität innerhalb gesellschaftlicher Systeme.
Mit dem Streichquartett von Fanny Hensel widmen wir uns einer herausragenden und, im Vergleich zu ihrem Bruder, noch immer nicht ausreichend gewürdigten Stimme der Romantik. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie trotz ihres enormen Talents in die Rolle der Hausfrau und nicht-professionellen Komponistin gedrängt wurde, steht in deutlichem Kontrast zur künstlerischen Reife ihres Oeuvres. Ihr einziges Streichquartett von 1834 zeigt Klarheit, Energie und einen eigenständigen Tonfall. Das Merel Quartett kehrt damit zu einem Werk einer ihrer früheren Aufnahmen zurück und bringt es in ungebrochener Aktualität wieder auf die Bühne.
Der Wille, sich trotz allem zu behaupten und die eigene Stimme gegen die Reduktion zur «Muse» und Anhängsel zu verteidigen, verbindet Hensel mit Frida Kahlo. Nach dem Busunfall von 1925 war Kahlo ihr Leben lang von Krankheit geprägt. In «The Broken Column», einem neuen Werk von David Philip Hefti, wird ihr Schicksal zum Ausgangspunkt einer klanglichen Auseinandersetzung. Das Werk kam beim den Zwischentönen 2026 zur Uraufführung.
Als drittes Werk steht mit dem Streichquartett op. 132 ein spätes Werk von Ludwig van Beethoven auf dem Programm, aufgeführt im Rahmen der Saison-Hommage zu seinem 200. Todesjahr 2027. Der «Heilige Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit», entstanden nach einer schweren Krankheit, gehört zu den eindringlichsten Momenten seines Schaffens. Hier wird Genesung unmittelbar als musikalische Erfahrung hörbar.

